Weinbau und Weinbereitung

Lage des Bopplisser Rebberges

Der Bopplisser Rebberg liegt am Lägern-Südfuss (östlicher Jura-Ausläufer) auf etwas über 500 M.ü.M. oberhalb einer sanften, von Ost nach West leicht absinkenden Mulde. Der gegenüberliegende Hügelzug Breitlen mit dem Farrissen Buck als höchstem Punkt, schirmt Boppelsen vom Furttal ab und verleiht dem Ort und dem Rebberg den besonderen Charme der natürlichen Abgeschiedenheit. Hier gedeihen die Reben einer kleinen Winzergemeinde. Angepflanzt sind vorwiegend die weisse Sorte Müller-Thurgau sowie die roten Sorten Pinot Noir und ein geringer Anteil Garanoir.

Weinbau

Ich betreibe den Weinbau hauptsächlich auf der Parzelle 639 der Gemeinde Boppelsen im Gebiet Bingert – Stockacher, die ich als Pächter anfangs 2013 von Fritz Huber, Regensdorf übernommen habe. Unterstützt werde ich durch den Bopplisser Winzerkollegen Cees Van Rijn, der die Maschinenarbeiten für mich ausführt sowie durch Helferinnen und Helfer aus Verwandt- und Bekanntschaft für Arbeiten während der Vegetations- und Erntezeit.
Die Weine werden nach AOC Richtlinien produziert und gelangen in der Regel unter dem Label „AOC Zürich Boppelsen“ in den Verkauf.

Weinbereitung

Für die Kelterung der Weine werden verschiedenen Weinkellereien beauftragt.
Die Kelterung der Weine Blanc de Noir, Le Blanc und Noir de Noir erfolgt in der Spitaltrotte der Stadt Baden im Auftrag der Weinkellerei Wetzel GmbH, 5408 Ennetbaden.
Die Kelterung des Noire Intense erfolgt in der Weinkellerei Weidmann, 8158 Regensberg.
Die Kelterung des Bopplisser Schuum-Wii erfolgt in der Weinkellerei Paul Gasser, 8548 Ellikon an der Thur.

Blanc de Noir

Der Blanc de Noir ist ein durch Ganztraubenpressung erzeugter Federweiss(*) aus Pinot Noir.
Die roten Trauben werden unmittelbar nach der Lese als Ganzes abgepresst und wie ein Weisswein gekeltert. Der Ausbau erfolgt bis im Frühjahr nach der Ernte in Edelstahltanks. Im April wird der Wein auf die Flaschen gezogen.
Der Blanc de Noir wurde erstmals im Jahr 2019 gekeltert.

Le Blanc

Der Le Blanc ist ein reinsortiger Müller-Thurgau.
Die Trauben werden unmittelbar nach der Lese gekeltert und bis im Frühjahr nach der Ernte in Edelstahltanks ausgebaut. Ende März wird der Wein auf die Flaschen gezogen.
Der Le Blanc wurde in den Jahren 2015 – 2017 gekeltert. Die Trauben stammten von den vorübergehend zugepachteten Parzellen 642 (2015) und 629 (2016-2017).

Noir de Noir

Der Noir de Noir ist eine Cuvée, hergestellt aus den auf der Parzelle 639 je hälftig angebauten roten Traubensorten Garanoir und Pinot Noir.
Die Trauben der beiden Sorten werden entsprechend ihres Reifezustandes zu unterschiedlichen Zeiten gelesen. Der Garanoir erreicht die optimale Reife in der Regel einige Tage bis Wochen vor dem Pinot Noir. Die Trauben werden unmittelbar nach der Lese gekeltert und bis im Frühjahr nach der Ernte separat ausgebaut. Danach findet die Mariage zur Cuvée statt. Der Ausbau des Weins erfolgt bis in den Spätsommer zum Teil in Barriques und Doppelbarriques aus einheimischer Eiche. Kurz vor Herbstbeginn wird der Wein auf die Flaschen gezogen.
Der Noir de Noir wurde erstmals 2013 und danach durchgehend bis 2018 gekeltert. 2014 konnte der Garanoir aufgrund des Befalls mit der Kirschessigfliegen nicht geerntet werden. In diesem Jahr stammte der Garanoir Anteil des Cuvées vom Weingut Goldwand von Michael Wetzel in Ennetbaden. Dieser Jahrgang wurde aufgrund der Herkunft der Trauben aus verschiedenen Lagen als Landwein deklariert. 2019 wurden kein Noir de Noir gekeltert. Aus dem Garanoir wurde in diesem Jahr der Noir Intense und aus dem Pinot Noir der Blanc de Noir gekeltert.

Noir Intense

Der Noir Intense ist ein reinsortiger Garanoir.
Die Trauben werden einlagig in luftdurchlässigen Kistchen geerntet und danach in einer Trockungsanlage während ca. zwei Wochen angetrocknet. Vor der Abbeerung und Einmaischung werden die Trauen nochmals sorgfältig verlesen und beschädigte Beeren entfernt. Danach wird das Traubengut wie ein klassischer Rotwein verarbeitet und zunächst in Edelstahltanks und danach bis im Herbst des nachfolgenden Jahres in Barriques ausgebaut. Kurz vor Herbstbeginn wird der durch die Antrocknung der Trauben aromatisch intensivierte und alkoholreiche Wein auf die Flaschen gezogen.

Bopplisser Schuum-Wii

Der Bopplisser Schuum-Wii ist ein im traditionellen Flaschengärverfahren als Blanc de Pinot Noir produzierter Schaumwein.
Dieser exklusiv für das Bopplisser Dorffest 2020 produzierte Wein ist das Resultat eines Projektes der Bopplisser Winzergemeinschaft. Die sieben Traubenproduzenten haben im Herbst 2019 gleichentags je einen Anteil von rund 90kg Pinot Noir Trauben für die Kelterung des Festweines geliefert.
Der Festwein wird im Frühsommer 2020 abgefüllt. Vorreservierungen können ab Januar 2020 beantragt werden. Ansprechpartnerin: Laura Bauer-Storni, Präsidentin OK – Dorffest.

Kennzeichen und Charakteristiken der Traubensorten(**)

Garanoir

Herkunft und Elternschaft

Der Garanoir ist eine relativ junge Kreuzung aus den beiden Sorten Gamay Noir x Reichensteiner, erzeugt im Jahre 1970 von André Jaquinet im ehemaligen Chaudoz Weinforschungszentrum Pully, ausserhalb von Lausanne, heute Teil von Agroscope Changins-Wädenswil. Die Bezeichnung der Kreation lautete zunächst Pully B-28 und dann, nach der endgültigen Auswahl und der Taufe durch den Erzeuger der Reihe nach Gastar, Granoir und schliesslich Garanoir. Die neue Sorte wurde offiziell freigegeben im Jahre 1990 zusammen mit Gamaret.

Weinbaucharakteristiken und Geschmack

Geringe Wüchsigkeit, gute Fruchtbarkeit. Frühe Reife, gute Resistenz gegenüber Botrytis. Gut geeignet für kühlere Regionen. Der Garanoir ist fruchtiger und weniger konzentriert als sein Geschwister Gamaret. Der Säuregehalt ist relativ tief. Damit eignet sich der Garanoir für die Assemblage mit säurebetonteren Weinen wie Gamay Noir, Pinot Noir oder Gamaret. Der Garanoir leistet in solchen Cuvées seinen Anteil an Farbe, Frucht und Würzigkeit.

Müller-Thurgau

Herkunft und Elternschaft

Die Traubensorte Müller-Thurgau entstand im Jahre 1882 durch die Arbeit des Thurgauer Weinerzeugers Hermann Müller (daher der Name). Die Sorte wurde ursprünglich durch ihren Erzeuger gekennzeichnet als eine Kreuzung von Riesling x Silvaner, welche die heute für diese Sorte noch gebräuchlichen, aber irreführenden Bezeichnungen Riesling x Silvaner oder Rivaner erklären.
Mehrere DNA Analysen zwischen 1990 und 2010 führten letztlich zur Erkenntnis, dass die Sorte Müller-Thurgau auf einer Kreuzung der beiden Sorten Riesling x Madeleine Royale beruht. Die letztere Sorte ist eine Kreuzung aus dem 19. Jahrhundert, welche heute nicht mehr kultiviert wird. Die Eltern von Madeleine Royale waren Pinot und Schiava Grossa.
Aufgrund dieser Erkenntnisse und in Übereinstimmung mit dem unten aufgeführte Standardwerk WINE GRAPES(**) verwende ich als Verweis auf die Traubensorte des Le Blanc die Bezeichnung Müller-Thurgau.

Weinbaucharakteristiken und Geschmack

Ertragsreich aber anfällig für echten und falschen Mehltau sowie für Botrytis aufgrund der dünnen Traubenhaut. Frühreifend, anpassungsfähig bezüglich Standort, wobei das relativ zarte Holz durch harte Winter beschädigt werden kann.
Aufgrund der guten Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standorte wurde die Sorte Müller-Thurgau weltweit in den verschiedenen Weinregionen angebaut. In der Schweiz war Müller-Thurgau lange Zeit die zweitmeist gepflanzte Sorte neben Chasselas, dies vor allem im deutschsprachigen Raum im Norden und Osten.
Die Weine sind in der Regel leicht aromatisch, auch blumig, mit fruchtbetonten und muskatartigen Aromen.

Pinot Noir

Herkunft und Elternschaft

Der Pinot Noir (in der Deutschschweiz vor allem auch bekannt unter dem Synonym Blauburgunder) ist im Gegensatz zur sehr jungen Züchtung Garanoir eine altehrwürdige Sorte. Zum Vergleich: im unten aufgeführten Grundlagenwerk der Weinsorten(**) wird dem Garanoir eine gute halbe Seite gewidmet, der Pinot Noir hingegen wird auf etwas mehr als sieben Seiten erläutert. Der Pinot Noir ist wie die Sorten Pinot Meunier, Pinot Gris, Pinot Blanc, Pinot Teinturier und Pinot Noir Précoce eine klonale Variation des Pinot. Die exakte Herkunft des Pinot ist auch heute noch ungeklärt. Aufgrund von Resultaten aus DNA Analysen ist gewiss, dass der Pinot über mehrere Jahrhunderte Zeit gehabt hat, durch natürliche Mutationen während der vegetativen Entwicklung eine grosse Vielfalt an Variationen hervorzubringen, so dass heute mehr als 1000 verschieden Klone registriert sind. Die auf DNA Analysen aufgebaute Ahnentafel mit über 150 westeuropäischen Traubensorten zeigt auf der anderen Seite, dass der Pinot durch spontan entstandene natürliche Kreuzungen mit andern Arten als Elternteil einer grossen Anzahl von eigenständigen Sorten wie Chardonnay oder Gamay Noir gilt.

Weinbaucharakteristiken und Geschmack

Das Burgund, als eines der Top-Qualitätsanbaugebiete des Pinot Noir zeigt, dass die Traube bereits kleine Unterschiede bezüglich des Terroirs im Wein spürbar werden lässt. Es war vor allem diese faszinierende Eigenschaft des Pinot Noir, welche Winzer in verschiedenen Gegenden der Welt mit zum Teil ganz anderen klimatischen Bedingungen dazu führten, ebenfalls einen feinen Pinot Noir zu erzeugen. Dieses Ziel zu erreichen war während geraumer Zeit der ultimative Test vieler Weinproduzenten. Berücksichtigt werden muss, dass der Pinot Noir eine frühreifende Sorte ist. Nur kühlere Regionen ermöglichen dem Pinot Noir eine genügend lange Reifezeit, um interessante Weine zu produzieren. Auf der anderen Seite darf es weder zu kühl noch zu nass sein, um gesundes Traubengut ernten zu können. Zu diesen, aufgrund der geographischen Lage bevorzugten Anbauregionen, gehört u.a. auch die Schweiz, wo der Pinot Noir die meist angebaute Rotweinsorte ist. Der Pinot Noir wird generell als relativ weich, fruchtig und wohlschmeckend charakterisiert.

(*) Der Ausdruck „Federweiss“ resp. „Weissherbst“ steht in der Schweiz gemäss der Weinverordnung für einen weinspezifischen Begriff mit der Bedeutung „Wein mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung aus der Deutschschweiz, erzeugt aus roten Trauben, die vor oder zu Beginn der Gärung gepresst werden.“

(**) Die Angaben zu den Traubensorten entstammen – auszugsweise und frei übersetzt – dem Standardwerk WINE GRAPES, A complete guide to 1’368 vine varieties, including their origins and flavours: Jancis Robinson, Julia Harding, José Vouillamoz; Penguine Books Ltd., London 2012; ISBN: 987-1-846-144446-2.